Grüße von Moritz

Hallo Frau Happel,

seit Wochen bin ich mental schon dabei, Ihnen einen Brief zu schreiben und ein paar Fotos anzuhängen. Der Brief ist ja nicht das Problem, aber schwarze Tiere sind einfach nicht gut zu fotografieren!

Moritz hat sich, nach anfänglichen Startschwierigkeiten mit meinem großen Hund Mogli bei der Übernahme im April diesen Jahres, gut eingelebt. Mir gegenüber zeigte er sich ja schon von Beginn an als Schmusebacke, auch wenn die Beschreibung auf der Internetseite des Helenenhofes anderes erwarten ließ.

Meine Katze Ginny fand ihn doof, aber da Moritz sie weitestgehend in Ruhe läßt, herrscht dort Burgfrieden. Häufig teilen die Beiden sich meine Bettdecke und wenn es nicht anders geht, auch mal ein Sitzkissen draußen auf der Terrasse.

Mogli empfand Moritz als Eindringling in sein bestehendes Rudel und es hat mehrere Monate und gute Nerven von allen Beteiligten gebraucht, bis es sich eingependelt hat. Ein Problem war, daß Moritz sich (verständlicherweise) eher huschend durchs Zimmer bewegt hat, wenn Mogli ihn beobachtete und dann gerne (als schwarzer Schatten) hinter dem Papierkorb oder einem Pappkarton sitzen blieb. Spannend für Mogli, der immer wieder stundenweise angeleint im Wohnzimmer verbringen musste. Da der Kerl aber mit seinen 13 Jahren aber eh nicht mehr der Aktivste ist, war das für ihn kein großes Problem gewesen. Seit Juli ist aber auch dort das Eis gebrochen und Moritz meistert die Situation souverän. Sogar im Garten konnte ich beide gleichzeitig laufen lassen, ohne Hetzjagden zu befürchten und Mogli darf Moritz beschnuppern, wenn dieser auf einem Stuhl zusammengerollt liegt. Seit ca. 2 Monaten habe ich sogar ein Empfangskommando aus zwei Katzen auf der Straße (Sackgassenende!), wenn ich vom abendlichen Hundespaziergang kommen. Manchmal steht Moitz dann da und Mogli und er beschnuppern sich Nase an Nase. Ich bilde mir gerne ein, daß die beiden Katzen sich freuen, mich zu sehen, aber eigentlich warten sie nur auf Futter, dass es nach der Runde gibt… In den letzten Wochen ist Moritz sogar zwei Mal die späte kleine Runde durchs Dorf mitgelaufen – sehr zu meinem Unwillen, aber er war nicht zurückzuscheuchen. Beim ersten Mal habe ich es auch erst nach einigen Hundert Metern bemerkt, daß mir ein schwarzer Schatten folgt. Jetzt bemühe ich mich, ihm Futter in den Napf zu tun und dann fluchtartig das Haus zu verlassen.

Im Sommer war Moritz sehr viel aushäusig, auch wenn ich zuhause war. Wo er sich rumgetrieben hat, weiß ich nicht. Mit meinem Nachbarn, einem älteren Herr, hat er sich angefreundet. Dabei hat natürlich auch das Trockenfutter geholfen, daß ich meinem Nachbarn regelmäßig gebe. Moritz wird von Ihm als sein „Leasingkater“ bezeichnet (alter Autohändler…;-)). Bei ihm geht Moritz wohl auch rein und legt sich mal auf den Teppich, aber achtet sehr darauf, daß die Türe offen bleibt.

Wenn ich im Gemüsegarten gearbeitet habe, war Moritz häufig da und hat sich einen Spaß daraus gemacht, Graßhüpfer zu fangen und genüßlich zu vertilgen. Auch eine Maus hat er dort schon vor meinen Augen erlegt und verzehrt. Hockte ich mich zum Unkrautzupfen hin, kam er mit Vorliebe auf meinen Schoß gekrabbelt und hat mich von der Arbeit abgehalten (ich Arme…).

Jetzt, wo es kälter und ungemütlicher wird, ist Moritz deutlich häufiger da, wenn ich auch zuhause bin und wartet darauf, daß ich es mir gemütlich mache, um sich neben mich zu legen. Witzigerweise kommt er dort nicht zu mir auf den Schoß. Er läßt sich ausgiebig kraulen und streicheln, aber nach 20 Minuten ist auch wieder gut. Danach zieht er sich ins Schlafzimmer zurück oder verschwindet wieder nach draußen. Ist die Zwischentüre zu, läuft er wie ein Tiger in Gefangenschaft hin und her und beklagt sein Schicksal.

Durch den Aufenhalt an der frischen Luft hat er einen richtig dicken Winterpelz bekommen. Es ist eine Wonne, ihn zu streicheln und er sieht sehr schick aus.

Seine Futterrationen sind so bemessen, daß er sein Gewicht von hält. Hat leider den Nachteil, daß er sich ständig vernachlässigt fühlt. Aber ich finde, 6,2 kg sind genug, auch für einen großrahmigen Kater. Moritz begeistert sich nach wie vor nur für Trockenfutter, selbst Leckerbissen wie Fisch aller Art oder ein Stück Fleisch, Butter, Käse – Vergiss es, friß es selber!

Nachts läßt sich Moritz den Freigang nicht verbieten, auch wenn ich ,(Ihrer Worte gedenkend, Frau Happel), versucht habe, ihn drinnen zu halten. Irgendwann wache ich dann Nachts auf und habe einen zweiten Fellball auf meiner Bettdecke. Glücklicherweise begnügt Moritz sich mit dem Fußende und möchte nicht auch noch unter der Bettdecke oder auf mir schlafen, wie meine Ginny.

Tja, mit noch zwei Hunden im Schlafzimmer ist es dort, auch im Winter mit geöffnetem Fenster, nie kalt.

Gesundheitlich hat mir Moritz bisher keinen Kummer gemacht, ist bei dem geschätzten Alter von 8 Jahren ja auch nicht zu erwarten. Im August kam er einmal mit einer dicken Backe an, aber der Abszeß war durch eine Antibiotikumbehandlung schnell abgeheilt.

Alles in allem ist Moritz ein sehr umgänglicher Kater, der sich problemlos an die Gegebenheiten anpasst. Auf den Arm nehmen und Zwangsschmusen ist nicht sein Ding, ist ja auch nicht nötig. Er ist ein unauffälliger Kater, der nur zu Fütterungszeiten aufdringlich wird. Er weiß sich selbst zu beschäftigen, von daher passt er sehr gut in meinen Haushalt mit mir als Berufstätige und noch drei anderen Tieren, die ihren Anteil an Aufmerksamkeit bekommen möchten. Was sollte ich mit einer zweiten Katze, die an mir klebt und meinen Körper jede Minute in Beschlag nehmen möchte, in der ich zuhause bin? Moritz ist genau das Tier, das ich mir vorgestellt habe, als ich im Februar bei Ihnen war, auf der Suche nach einer genügsamen Katze, die ein warmes Plätzchen mit Freigang ohne Rund-um-die-Uhr-Betreuung sucht.

Viele Grüße und vielen Dank für diesen tollen Kater!

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