Letzter Gruß von Fiorello

Ihr Lieben,
nach langer Zeit will ich mich endlich mal wieder bei euch melden. Ich bin inzwischen schon 5 Jahre alt, ein richtig erwachsener Kater (wenn man das von mir überhaupt sagen kann) und ich bin auch ein wenig ruhiger geworden – aber nur ein wenig!
Nach wie vor ist die Jagd meine große Leidenschaft und ich mache fleißig Beute! Im letzten Sommer waren sogar meine Nachbarn sehr froh, dass ich so ein guter Jäger
bin. Die Nachbarn haben ja die wunderbaren Kaninchen, die ein großes Haus mit riesigen Freilauf im Garten haben. Aber von Kaninchenfutter wurden wohl Ratten angelockt. Der Nachbar hat eine Lebendfalle besorgt und sie mit Nutellabrot bestückt, mögen Ratten angeblich besonders gerne. Allerdings wurde nicht bedacht, dass Ratten total clever sind: sie haben das Nutellabrot irgendwie weggefressen, ohne gefangen zu werden. Der Nachbar war ratlos – aber dann kam mein großer Einsatz: ich habe alle Ratten weggefangen und war der große Held!!! Alle waren  sehr sehr stolz auf mich und meinen Mut. Nur bei einer Ratte gab es etwas Streß: ich hatte mir an einem sonnigen Sonntag Vormittag eine kleine Ratte mit ins Haus gebracht und wollte im Schlafzimmer unterm Bett noch ein wenig mit ihr spielen. Die Ratte fand das gar nicht gut und quiekte vor Entsetzen. Und als meine Zweibeiner merkten, was ich da voller Stolz ins Haus geschleppt hatte, endete alles im Chaos: die Zweibeiner kreischten „Fio, bring sofort die Ratte nach draußen“, die Ratte versuchte, abzuhauen, ich hinter ihr her, und dann fiel sie einfach tot um. Wahrscheinlich Herzinfarkt vor lauter Gekreische…. Sehr schade! Ich hatte die Lust an meiner Beute verloren und der Tag war ein wenig versaut. Aber trotz allem sprechen heute noch alle voller Stolz darüber, wie ich den Ratten ein Ende gesetzt habe.
Im letzten Winter hatte ich – wie jeden Winter – Schnupfen. Diesmal haben die blöden Viren sogar mein linkes Auge befallen und ich hatte eine Bindehautentzündung. Der Tierarzt hat mir Augengel verordnet, 3 x täglich. Beim Tierarzt war ich ja noch ganz brav und habe mir das Zeug ins Auge machen lassen, es gab dort nämlich keine Möglichkeit, abzuhauen. Aber zu Hause lass ich mich nicht mehrfach am Tag einfangen und behandeln, da zeige ich deutlich, wer das Sagen hat. Zum Glück habe ich mein Auge alleine wieder in den Griff bekommen und alles ist wieder gut.
Fio
Im Mai bei schönem Sonnenschein beginnt die Laichzeit für unsere Goldfische. Sie wuseln ganz nah am Ufer in den Wasserpflanzen umher und sind sehr unaufmerksam. Das habe ich natürlich ausgenutzt und mir so einen Fisch aus dem Wasser geholt. Aber ganz ehrlich gesagt, so ein Fisch ist eine langweilige Geschichte. Das Fangen macht ja noch viel Spaß, aber dann liegt der Fisch reglos vor mir auf dem Rasen, macht keine Anstalten, wegzulaufen oder zu springen wie die Mäuse, die ich gerne fange. Die Zweibeiner haben auch sofort entdeckt, dass das für mich nicht so interessant ist und haben den Fisch wieder ins Wasser befördert, wo er munter weggeschwommen ist. Dann haben sie den Platz, an dem ich den Fischen auflauere, zugestellt – also ist nichts mehr mit Fischfang.
Mitte Mai bin ich dann krank geworden. Alles begann mit dem für mich typischen Schnupfen und einer etwas geschwollenen Backe. Ich musste zum Tierarzt, der eine Entzündung diagnostiziert hat. Aber es wurde immer schlimmer, mein rechte Gesichtshälfte schwoll an. Weil alles so juckt, habe ich an der Schwellung herumgekratzt und es lief ein wenig Eiter aus der Wunde. Der Tierarzt hat mich dann in Narkose versetzt, alles gründlich untersucht und eine vereiterte Zahnwurzel entdeckt. Der Zahn wurde gezogen, die Wunde vernäht und ich mit einem Kragen versehen wieder nach Hause entlassen. Das war ganz schön schrecklich für mich. Mit dem Kragen bin ich zu Hause nach ca. 10 Minuten Eingewöhnungszeit ganz gut zurecht gekommen, aber manchmal war es echt nervig, dass ich überall angeeckt bin und viel mehr Platz als
gewöhnlich brauchte. Blöd nur, dass ich keine Medikamente einnehmen will, also musste ich immer wieder zum Tierarzt, um ein Antibiotikum spritzen zu lassen. Auch daran habe ich mich dann im Lauf der Zeit gewöhnt. Nur das Spielen und Toben war mit dem Kragen etwas komplizierter als sonst. Dafür konnte ich meine heißgeliebte Spielmaus im Kragen aus dem Keller ins Erdgeschoß befördern und brauchte sie nicht im Maul zu transportieren. Und dann war es endlich so weit: die Wunde war gut verheilt, der Kragen kam weg und ein paar Tage später durfte ich dann endlich – nach 2 Wochen Stubenarrest – wieder nach draußen.
Leider war das Glück nur von kurzer Dauer. Alles begann noch sehr spannend: ich war noch keine halbe Stunde draußen, da hatte ich schon den ersten Vogel gefangen und ins Haus gebracht. Eine weitere halbe Stunde später kam ich mit dem zweiten Vogel an, meine Zweibeiner sind nahezu verzweifelt. Dann bin ich abgezogen, habe erst mal mein Revier inspiziert und bin dabei auf einen fremden Kater gestoßen, den ich noch nicht kannt. Ich musste ihm ja beibringen, dass ich der Chef des Reviers bin, also gab es eine kleine Prügelei, bei der ich ordentlich einstecken musste. Meine so schön verheilte Wunde ist wieder aufgegangen und eine Schürfwunde habe ich auch davongetragen. Es tat ordentlich weh und ich bin ab nach Hause, habe mich erst mal richtig bedauern lassen. Aber: dann hatte ich schon wieder Stubenarrest, und der blöde Kragen kam auch wieder um. Wenigstens haben sie mir den Kragen mit einem FC-Aufkleber verschönt. Eine Woche hat es gedauert, der Tierarzt hat sein OK
gegeben und ichwieder nach draußen durfte, ohne Kragen natürlich. Einziger Nachteil: die Hitze machte mir mit meinem dicken Pelz zu schaffen. Also bin ich morgens ein wenig raus gegangen, habe alles erkundet und bin ab spätem Vormittag im Haus geblieben. Für mich ist es beser, wenn es etwas kühler ist.
Trotzdem, meine Wunde wollte nicht richtig heilen. Immer wieder ist die Backe ein wenig angeschwollen, dann habe ich sie aufgekratzt. Meine Zweibeiner haben keine Ruhe gegeben und sind Anfang August mit mir zum Tierarzt, CT stand an. Am 09.08.2017 kam dann die niederschmetternde Diagnose: ich habe einen bosartigen Tumor im rechten Jochbeinbogen, der den Knochen auflöst und nicht therapierbar ist. Das war ein Horrorschock für uns alle. Aber es geht mir nach wie vor gut, ich rase durch Haus und Garten, fange Mäuse und alle möglichen Tiere, die fliegen können, klettere auf Bäume und liebe es, mit meiner Spielmaus zu toben. Ich weiß, dass das nicht mehr lange so gehen wird, und dann wissen meine Zweibeiner, was zu tun ist.
Aber bis dahin mische ich die Spitzmausbande im Garten noch ordentlich auf!!!
Ihr Lieben, bleibt gesund und haltet die Ohren steif (wie ich)! Es grüßt euch ganz herzlich
Euer Fio
Köln, im September 2017
Nachwort aus Fios Sekretatiat: am 20.09.2017 ist unser Fio für immer von uns gegangen. Er hat unser Leben extrem bereichert und wir sind maßlos traurig, dass er nicht mehr da ist. Er fehlt uns sehr!!! In unseren Herzen und Gedanken ist er immer bei uns.
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