Bella

Liebes Tierheimteam,

vor etwas mehr als zwei Wochen ist mein Hund Bella im biblischen Alter von fast 17 Jahren gestorben. Mein Mann hatte sie vor zwölf Jahren im Tierheim Helenenhof entdeckt und die beiden waren sofort ein Herz und eine Seele. Inzwischen, nach dem Tod meines Mannes, habe ich die letzten Jahre allein mit Bella gelebt. Sie war oft schwer krank in dieser Zeit aber sie war zäh – eben eine erfahrene, lebenskluge und robuste alte Straßenhündin aus Rumänien. Zuletzt, wenn wir beiden Alten langsam unsere immer kürzer werdenden Gassi-Runden zogen, weckte sie bei (fast) allen Nachbarn Rührung und den Wunsch, sie liebevoll zu streicheln und zu hätscheln. Und es ergaben sich häufig zu Herzen gehende Gespräche über das Altwerden und den Tod. Bella war eine Persönlichkeit mit Charakter, Eigensinn und einem sanften Wesen. Als sie zu uns kam hatte sie gerade erst im Helenenhof gelernt, ein Halsband zu (er)tragen und einigermaßen an der Leine zu gehen. Sie blieb bis zum Ende ihres Lebens ein wenig scheu aber nicht ängstlich. Sie kuschelte nicht aber ließ sich gerne kraulen. Nicht wenige Stellen ihres Körpers durften anfangs nicht berührt werden. All die Jahre waren wir dankbar und stolz wenn Bella wieder ein wenig mehr Vertrauen zu uns gewann, wenn sie sich entspannte und uns zeigte, dass sie sich wohl und geborgen fühlte. Am Anfang kam sie gar nicht damit klar in einer beheizten Wohnung zu sein. Ihr dichtes Fell mit viel Unterwolle war ganz auf das Klima in den Karpaten eingerichtet. Wir haben ihr nur ungern angetan, mit uns in der beheizten Wohnung zu leben, aber wir konnten ja deswegen nicht zähneklappernd im Wohnzimmer sitzen. Und als sie alt wurde und langsam kahl hat sie die Wärme dann auch sehr geschätzt. Schnee hat sie geliebt. Einmal ist sie zwischen all den rodelnden Kindern auf dem Rücken einen Hügel heruntergeschlittert. Einfach so aus Vergnügen. Das hat für viel Gelächter gesorgt. Sie war ein total wasserscheuer Hund. Wir haben sie denn auch nie gewaschen – mit zwei Ausnahmen: als sie sich am Decksteiner Weiher in einem großen verwesten Karpfen gewälzt hatte und das zweite Mal als sie dasselbe in vergorenem Heu machte. Ich weiss nicht welcher Gestank schlimmer war. Einzelgängerin war sie auch. Manche Hunde fand sie interessant aber Spielen und Hundewiese waren nichts für sie. Das machte aber nichts weil auch wir eher Einzelgänger waren. So könnte ich jetzt immer weiter schreiben, zwölf angefüllte Jahre des Zusammenlebens. Ich hatte mich sehr vor ihrem Sterben gefürchtet und fühlte mich damit ohne meinen geliebten Mann ganz allein. Aber dann ging alles im Beisein guter Freundinnen und mit der Hilfe einer wunderbaren Tierärztin ganz sanft und ganz selbstverständlich. Bella war bereit und ich war es dann auch.